Es geht aufwärts

Trotz eines leichten Schlafdefizits und entsprechenden Faulheitsanwandlungen bin ich heute gleich wieder losgezogen: so ein verlängertes Wochenende, dazu noch mit Kaiserwetter, will ja genutzt sein! Kaum hatte ich mit dem Joggen begonnen, überholte mich gleich eine Frau, die deutlich älter, deutlich schneller, aber auch deutlich kleiner als ich war. Das ging ja gut los… Solange ich sie noch im Blick hatte, beobachtete ich triumphierend, dass sie regelmäßig Gehpausen einlegen musste - es gibt noch Gerechtigkeit! Zumindest für kurze Zeit, denn die nächsten Überholer ließen nicht lange auf sich warten. Die Leichtigkeit des Seins war heute auch nicht gerade meine Begleiterin, aber irgendwann hat jemand einen Hebel umgelegt und es - ich! - lief einfach. War das etwa der sagenumwobene Flow oder war ich nur dehydriert?

Zu Beginn der Strecke, als ich so schwer in die Gänge kam und von mehreren Läufern überholt wurde, habe ich schon wieder schwer mit mir gehadert, was ungefähr so klang: “Verdammte Hacke, ich merke überhaupt keine Fortschritte. Ich fühl mich wie ein Nilpferd in Zeitlupe!” Aber dann konnte ich meinen Kopf frei machen und alles wurde gut. Ich habe mich einfach nur über das wunderbare Licht der tief stehenden Nachmittagssonne gefreut, darüber, dass der neulich noch fast kahle Acker nun einer dichten, grünen Wiese glich, und dass es viel wärmer als gestern war. Da es so gut lief,  habe ich an den Schlenker von Einheit Nr. 15 noch einen Extraschlenker drangehängt und bin zuversichtlich einfach weiter gelaufen. Finstere Gedanken verschwanden so plötzlich wie sie auftauchten und ich sah stur nach vorne. Und lief. Und lief. Und lief. Das einzige, woran ich dachte, war auf keinen Fall daran zu denken, auf die Pulsuhr zu schauen, um  mich nicht irgendwie unter Druck zu setzen, was Dauer oder Herzfrequenz anging. Wenn dieser tunnelartige Geisteszustand kein Flow war, weiß ich es auch nicht…

Irgendwann bekam ich einen Mordsdurst. Leider hatte ich für einen Lauf, der länger wurde als gedacht, den Tag über zu wenig getrunken, aber im Flow… Ich hangelte mich von einer Wegmarke zur nächsten (”noch bis zum roten Golf; noch bis zur Ecke; noch bis zur Brücke; noch bis zum Spielplatz…”) und musste am Ende nur ein paar Schritte gehen, um zum Scheitelpunkt einer Brücke hoch zu kommen - joggenderweis ging das dann echt nicht mehr. Aber runter! Runter kommen sie ja bekanntlich immer. Nachdem ich mir dann doch einen Blick auf die Pulsuhr erlaubt hatte, hing ich, um die 70 voll zu machen, noch einen Spezial-Extra-Schlenker an, obwohl ich schon den heimischen Stall witterte. Dort angekommen musste ich erst mal eine Banane inhalieren und einen halben Liter Wasser abpumpen, dann ging’s wieder. Für’s Dehnen war ich zu platt - aber was soll’s?

Bilanz Samstag, 21.03.2009 (Einheit Nr. 18):

  • 1 Stunde 24 min unterwegs
  • 11 min Walking zum Aufwärmen
  • 70 min Joggen (und zwar ohne Unterbrechung, ich schwör!)
  • 3 min Auslaufen
  • durschnittliche Herzfrequenz: 152
  • maximale Herzfrequenz: 166
  • verbrauchte Kalorien: 892 (da gibt’s gleich ein Stückchen Lachs mehr)

Fazit: Ich alte Schwarzseherin bemerke doch einen Trainingseffekt. Allerdings bin ich regelmäßig mit zu hoher Belastung unterwegs. Deshalb wird morgen mal im Grundlagenbereich gearbeitet, das heißt eine lange Walking-Einheit im niedrigen Pulsbereich. Nur blöd, dass die Regenwahrscheinlichkeit bei uns für jeden Tag der kommenden Woche mit 100 % angegeben wird. Toll, ich freu mich!

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2 Responses so far »

  1. 1

    nimrouz said,

    März 22, 2009 @ 2:52

    Wenn die Blogeinträge schneller purzeln, als ich lesen kann, dann heißt es entweder: Der Frühling ist nun wirklich da (und ich also auch draußen) oder es ist der Flow ausgebrochen oder beides. Ich freu mich einfach mit - und mache derweil meinen Sport im Schlafzimmer. Ohne Witz: ganz allein, bei Latino-Musik und geöffnetem Fenster. Schlafzimmer deshalb, weil es das einzige ist, in das niemand reingucken kann ;-)
    Ich seh manchmal Sportler mit einer Wasserflasche und Schlauch: warum musst du dursten?

  2. 2

    nigri said,

    März 22, 2009 @ 11:09

    Ich hatte einfach nichts zum Trinken dabei, weil ich a) nicht bemerkt hatte, dass ich bis zum Start etwas zu wenig getrunken hatte, und b) außerdem gar nicht so lange unterwegs sein wollte; das hat sich so spontan (im Flow!) ergeben. Aber auf die gleich anstehende lange Runde kommt die Trinkflasche mit - und sicherheitshalber auch ‘ne Banane! Viel Spaß beim sportlichen Tanz im Schlafzimmer ;-)

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