“Eat Pray Love” von Elizabeth Gilbert
Ja, dieses Buch ist ein Frauenbuch. Ja, dieses Buch ist esoterisch angehaucht. Nein, es hat mich nicht mit Haut und Haaren gepackt…
Von Eat Pray Love hatte ich schon öfter gehört. Berichte von diesem Buch waren immer gekoppelt mit strahlenden Gesichtern und glänzenden Augen, die unverzüglich einen sehnsüchtigen Ausdruck annahmen, sobald der Stoßseufzer “ohhh, dieses Buch ist soooo toooll!” die Lippen der Berichtenden verließ. Mitten im Weihnachtstrubel, in einer Buchhandlung, die einem Ameisenhaufen im Alarmzustand glich, fiel mein Blick auf das in warmen Farben gestaltete Cover und ich erinnerte mich an die Verzückung diverser Freundinnen. Dunkelheit und mieses deutsches Mistwetter machten mich empfänglich für die autobiografische Geschichte der New Yorker Autorin, die in Folge einer üblen Scheidung mit Mitte 30 so ein seelisches Wrack ist, dass sie eine Auszeit von einem Jahr nimmt, um wieder zu Kräften zu kommen und zurück zu sich selbst zu finden.
Elizabeth reist nach Italien und lebt ein paar Monate in Rom, wo sie mit Hingabe Italienisch lernt und - nach Monaten der Abmagerung - nach Herzenslust die italienische Küche genießt (Eat). In einem indischen Ashram besinnt sie sich ganz auf sich selbst, übt sich in Demut, praktiziert Yoga, meditiert, spricht Mantras, chantet und findet schließlich Erleuchtung (Pray). Auf der Insel Bali will sie die in Italien zurück gewonnene körperliche und im Ashram gefestigte seelische Stärke wieder für Freude und Vergnügen nutzen und findet dort letzten Endes eine neue Liebe (Love). Soweit der stark verkürzte Rahmen eines langen, schwierigen und teilweise schmerzvollen Prozesses.
Ich habe Elizabeth Gilbert gerne auf ihrer Reise (natürlich im doppelten Wortsinn!) begleitet. Zu Beginn konnte ich gut ihre Verzweiflung über den Einsturz ihres bisherigen Lebens nachfühlen, dieses totale Ersaufen im Elend. Auch die Lust darauf Italienisch zu lernen, eine Weile in Rom zu leben, die Stadt zu entdecken, sich zeitweilig als Teil dieses Ortes zu fühlen und sich mit Genuss über die Köstlichkeiten der italienischen Küche herzumachen, konnte ich mehr als verstehen und war mit Feuereifer bei der Sache. Aber in Indien habe ich Probleme bekommen: Das war einfach nicht meine Welt. Ich meine nicht das Land, sondern das ganze Thema Spiritualität auf diesem Abschnitt der Reise. Yoga, Meditation, Gurus, Mantras, Chanting, Gebete zu irgendwelchen Gottheiten - das ist mir alles komplett fremd (auch wenn ein Quäntchen mehr Demut uns sicher allen gut tun würde). Ich habe das alles mit distanziertem Interesse betrachtet, wie ein Tier im Zoo, das sich denkt “diese Zweibeiner machen schon komische Sachen”, konnte aber keine Beziehung dazu aufbauen. Das aber ist für mich die Voraussetzung, um mich in ein Buch zu verlieben.
Wenn man nicht sowieso eine gewisse Affinität zu solchen Themen hat, muss man sich vermutlich in einer ganz speziellen Phase seines Lebens befinden, auf der Suche sein nach Antworten auf die elementarsten Fragen im Leben eines Menschen aus der vermeintlichen Zivilisation, um so begeistert von Eat Pray Love zu sein wie meine Freundinnen oder Julia Roberts, die in der Verfilmung die Hauptrolle spielen wird (Herzensangelegenheit!). In so einer Phase bin ich derzeit überhaupt nicht. Wer weiß? Vielleicht war die Zeif einfach nicht reif und ich nehme das Buch irgendwann wieder in die Hand - als Suchende.