Quäl Dich, Du Luder!

Ausgerechnet in der dunklen Völlereizeit vor Weihnachten war ich ja plötzlich wild entschlossen, meine inneren Schweinehunde auf’s Erbittertste zu bekämpfen und habe hier eine unerschütterliche Zuversicht an den Tag gelegt. Aber Blogs sind geduldig wie ägyptisches Papyrus und dem aufmerksamen Leser dürfte nicht entgangen sein, dass danach in Sachen Schneckentraining nichts mehr zu lesen war. Das könnte daran liegen, dass den markigen Worten nur wenige entschlossene Taten folgten. Deshalb kommt jetzt wieder ein Trick 17 mit Selbstüberlistung. Was tut man, wenn man sich für einen sportlichen Wettbewerb angemeldet und selbige Tat auf seinem Blog herausposaunt hat, den Allerwertesten aber nicht hochkriegt? Man eröffnet eine Trainingsrubrik und bloggt von seinen sportlichen Erlebnissen, um sich selbst in Zugzwang zu bringen.

Nach meiner Schweinehund-Kampfansage vom November habe ich mich erst mal noch der Schwerkraft hingegeben, sprich ich hab mich auf der Couch herumgedrückt, nach dem Motto “der gute Wille zählt”. Dann habe ich mir - typisch weibliche Motivation - eine Stirnlampe für meine nun anstehenden Läufe in der Dunkelheit des Winters gekauft. Bis heute habe ich sie nicht benutzt, aber beim Kauf eines solchen Profigadgets fühlt man sich schon mal total professionell. Dann gab es keine Ausreden mehr und ich machte mich nach langer Pause auf zum Laufen. Das war vielleicht ein Schuss in den Ofen, aber ich hatte einfach Pech: bleischwere Beine, kurzatmig, gefroren und gleichzeitig geschwitzt wie ein Braten in der Backfolie. Gleich am nächsten Tag kündigte sich eine Erkältung an. Am Ende lag ich sechs Tage flach mit grippalem Infekt, der dazugehörige Husten hat gut drei Wochen gedauert. Und dann noch die ganzen kulinarischen Adventsverlockungen…

Im Weihnachtsurlaub wurde fleißig gewandert, aber leider auch fleißig gefuttert (ich sage nur Fisch- und Fleischspießparadies Madeira!). Und plötzlich ist schon Ende Januar, der Weltkulturerbelauf in Bamberg nur noch vier Monate entfernt. Au Backe, das habe ich ja wieder super hingekriegt. Ich merke schon, wie sich erste zaghafte Gedanken an Absage regen… der alte Affe Feigheit.
Aber das geht natürlich gar nicht, dann hätten ja die Schweinehunde wieder gewonnen, die alten Mistviecher. So elf Kilometerchen müssen doch zu schaffen sein. Ankommen und nicht Letzte werden, mehr will ich ja gar nicht. Und deshalb ist es jetzt los gegangen.

Also, zum Rapport:

1. zaghafter Versuch am Sonntag, 25.01.09:
Na, das war ja noch nicht so doll. Trotz 100 Wanderkilometern vom Urlaub in den Beinen sind diese doch schlapp. Außerdem ist es saukalt. Aber ich war gut angezogen und bin einfach eine Stunde gewalkt. Mädchen!
Trotz bester Vorsätze aber in der Woche nicht dran geblieben, weil immer erst zwischen 7 und 8 Uhr abends völlig erschossen von der Arbeit gekommen.

2. Samstag, 31.01.09:
Joggen klappt überhaupt nicht, praktisch ab dem ersten Schritt Seitenstechen gehabt, nach zehn Minuten habe ich aufgegeben. Also wieder walken. Aber nach einer Dreiviertelstunde ging’s dann doch noch; immer ordentlich aufwärmen bei den Temperaturen. Brauche bald einen neuen Pulsmesser, mein alter macht mich wahnsinnig: dauernd kein Signal oder minutenlang derselbe merkwürdige Wert. Blöde Technik!

3. Sonntag, 1.2.09:
70 Minuten unterwegs gewesen, davon die Hälfte gejoggt. Kalt war’s, aber mit dem Anziehen liege ich derzeit immer goldrichtig. Jetzt heißt es in der Woche dran bleiben…
Läuft doch so ein Junge neben mir her, dribbelt seinen Fußball, den er natürlich ein paar Mal provokativ direkt an mir vorbei kicken muss, und ruft dann seinem Kumpel zu: “Da ist man ja, wenn man läuft, schneller wie die!” Das heißt schneller als, Dummbatz! Boah, wie ich solche Arschlochkinder (danke, Dieter Nuhr, für diesen Begriff!) hasse. Noch nie was von Belastungen im Niedrigpulsbereich gehört, aber dicke Lippe markieren. Aber das Schlimmste ist ja, dass ich mich darüber ärgere. Und dass ich mich über so was ärgere, das ärgert mich noch mehr. Und leider hat das AK ja auch Recht. Ich bin halt ‘ne Schnecke.

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