Pretty in pink
Mit Rosa und Pink ist das ja so eine Sache. Seit irgendjemand mal beschlossen hat, dass man Babys schon mal grob unterscheiden kann, indem man sie geschlechterspezifisch in rosé und bleu kleidet, ist die Farbe Rosa ziemlich eindimensional besetzt. Jahrelang habe ich sie und ihre kräftigere Schwester Pink gemieden wie der Teufel das Weihwasser, denn die beiden waren für mich gleichbedeutend mit künstlichen Fingernägeln, auftoupierter Dauerwelle und Kaugummiblasen, kurz Tussitum (pink), beziehungsweise Perlenketten, goldenen Ohrringen und Barbourjacken, kurz hanseatischer Konservativismus (rosa). Für mich beides keine erstrebenswerten Zustände.
Aber jetzt ist etwas Beängstigendes passiert: Auf meinem Schreibtisch steht eine Karte mit weißen und pinken Tulpen (okay, die hab ich zum Geburtstag bekommen), daneben liegen Geburtstagsgeschenke für meine Freundin in pinkem Geschenkpapier mit zwei (!) Bändern in rosa und pink und letzte Woche habe ich mir innerhalb von zwei Tagen zwei pinkfarbene Oberteile gekauft, eine Bluse in fuchsia (klingt gleich besser…) und ein Laufshirt in kräftigem Rosa (wo doch Sportsachen normalerweise immer neutral-funktional in Schwarz, Weiß, Rot und Blau daherkommen!). Oute ich mich jetzt als das totale Mädchen? Wird man mich jetzt noch ernst nehmen? Muss ich mir am Ende Sorgen machen, dass ich den Marketingstrategen für weibliche Zielgruppen auf den Leim gehe und mir als nächstes ein rosa Laptop, ein strassbesetztes Glitzerhandy oder gar eine pinkfarbene Bohrmaschine kaufe? “Entschuldigen Sie, guter Mann, hätten Sie diese Hilti auch in pink?” Wer sich schon ein rosa Sportshirt kauft, scheint mir Teil einer Risikogruppe zu sein, schwer gefährdet.
Die Rettung, das heißt die Beruhigung des schlechten Rosa-Gewissens, nahte heute morgen im Büro in Gestalt einer Kollegin. Sie trug einen Pullunder in kräftigem Rosa, darunter eine Bluse mit bunten Streifen, unter anderem auch pink, und dazu pinke Lippen. Und sie ist weder eine Tussi noch das adrette Fräulein von der Alster. Was sagt mir das?
1. Hey, ich bin nicht allein!
2. Pink kann cool aussehen.
3. Der vermehrte Kauf von Dingen in rosa und pink ist mit hoher Wahr-
scheinlichkeit der manifestierte Wunsch nach Farbe, Licht und Fröhlichkeit, kurz die Lust auf Frühling.
4. Erst wenn ich rosa Elefanten sehe, sollte ich mir wieder Gedanken über diese Farbe machen.
Guter Vorsatz für dieses Frühjahr: einfach mal Pink tragen und dabei über wirklich wichtige Sachen nachdenken.
Wie kann man sich nur so mädchenhaft wegen einer Farbe anstellen…?