Palast der Winde von M. M. Kaye
Ich bin ja eine geduldige und dankbare Leserin. Wenn mich ein Buch nicht gleich fesselt oder nicht auf irgendeine Weise interessiert, gebe ich ihm durchaus eine zweite und auch noch eine dritte Chance. Manchmal halte ich die Zeit für noch nicht gekommen und versuche es ein anderes Mal wieder. Es gibt nur wenige Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe.
Palast der Winde gehört nicht dazu, ich habe es zu Ende gelesen, aber die letzten 300 Seiten waren wirklich eine Qual; ständig habe ich nach der Seitenzahl geschielt. Sie fragen, warum ich nicht einfach aufgehört habe? Nun, ich fand es lächerlich, nach über 800 Seiten aufzugeben und nicht das Ende der Geschichte zu erfahren, obwohl es mich eigentlich nicht besonders interessierte.
Auf dem Klappentext wird der Daily Telegraph zitiert, für den Palast der Winde „eines der epochalen Werke moderner Erzählkunst“ ist. Und eigentlich hat dieser Roman auch alle Zutaten, die eine Geschichte braucht, um den Leser in ihren Bann zu ziehen: einen mutigen, aufrechten Helden, eine schöne Prinzessin, exotische Schauplätze (Indien und Afghanistan), bewegte Zeiten (Ende des 19. Jahrhunderts, als Königin Victoria Kaiserin von Indien wurde) und einen korrekt wiedergegebenen historischen Hintergrund.
Doch die Figuren blieben für mich seltsam profillos und sind mir nicht ans Herz gewachsen. Bangen und mitfiebern: Fehlanzeige. Ich habe immer nur weitergelesen. Dabei hat der Protagonist Ashton alle Anlagen für einen spannenden, weil zerrissenen Charakter. Doch tut er immer nur brav seine Pflicht und ist dabei heldenhaft und gut wie überhaupt fast alle seine (Militär-) Kameraden heldenhaft und edel sind und am Ende einen gloriosen Tod sterben. Zwischendurch habe ich ganz irritiert ob so viel Glorifizierung mal das Erscheinungsjahr nachgeschlagen und war überrascht, dass Palast der Winde 1978 herauskam. Ich hätte eher etwas zwischen 1928 und 1948 erwartet… Doch M. M. Kaye widmet ihr Buch den darin dargestellten britischen Kundschaftern an der indischen Grenze und ist selbst in Indien geboren, als Tochter einer englischen Familie, die seit Generationen auf dem Subkontinent lebte und der britischen Krone diente. Sie muss eine Prägung erfahren haben, die uns heute befremdet.
Es gibt Bücher, bei denen es egal ist, wann und wo sie geschrieben wurden. Sie überdauern einfach und haben unabhängig von Zeit und Ort ihre Faszination; ihre Leser entdecken in ihnen immer wieder eine neue Bedeutung. Palast der Winde gehört nicht dazu. Es ist ein Buch aus einer vergangenen Zeit, geschrieben von einer Frau mit einer Biographie, die es heute nicht mehr geben kann, und mutet deshalb altmodisch an, was nicht zuletzt durch die schwerfällige, bisweilen schwülstige Schreibweise und die seltsame deutsche Wortwahl noch verstärkt wird.
Am 31. Oktober habe ich Palast der Winde endlich ausgelesen. Ich hatte auf ein anderes Ende gehofft, doch es kam der obligatorische kitschige Sonnenuntergang. Umschlagklappe zu, Achselzucken. Endlich frei für etwas Neues!
Alex said,
November 7, 2007 @ 7:34
Willkommen in der Blogger-Welt Schnecke!!!! Layout gefällt mir guuuut! Viel Spass damit … Blogs machen süchtig
Baci